BBT Bayerischer Bergtag


Der BBT-Einstieg (II): Das 70 cm Band

Autor: Richard Weber, DF5SL

Beim Blick in die Ausschreibung erkennt man, dass in der Sektion B (430 MHz) die Bedingungen für eine Teilnahme etwas leichter zu erfüllen sind. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt hier nämlich 7 kg. Zusätzlich gibt es einen Multiplikator von zwei, das heißt, dass die erreichten Punkte für die Gesamtwertung mit zwei multipliziert werden. Wer also in der Gesamtwertung weiter nach vorne kommen will, tut sich hier leichter. Außerdem ist es auf den höheren Bändern weniger hektisch und fast schon familiär, man kennt einander und freut sich aber trotzdem über jeden "Neuen".

Leider bekommt man meines Wissens derzeit keine käuflichen "nur" 70 cm Transceiver, welche sowohl von der Größe als auch von der Leistung her BBT-tauglich sind. An älteren Gebrauchtgeräten gibt es das nur noch sehr selten zu findende IC 402, den 70 cm Doppelgänger des IC 202. Es gleicht äußerlich dem IC 202, ist aber ca. 100 g schwerer als ein unverbasteltes IC 202 (1550 g ). Die Sendeleistung beträgt 3 Watt. Der einzige Nachteil ist derselbe wie beim IC 202 - es sind nur maximal vier je 200 KHz breite Bandsegmente verfügbar. Dazu müssen vier Quarze bestückt sein, die jeweils 200 KHz gezogen werden können. In der Standardausführung sind nur zwei Quarze eingebaut. Der Abstimmbereich reicht also von 432.000 bis 432.400 MHz.
Ein weiteres geeignetes Gebrauchtgerät ist der FT 790, der Doppelgänger zum FT 290. Beide Geräte gleichen sich äußerlich und sind auch etwa gleich schwer (1300 g). Die Sendeleistung beträgt wie beim 2m Gerät ca. 2,5 Watt und kann in Stellung LOW auf 0,25 Watt reduziert werden. Es ist also möglich eine PA nachzuschalten, um die höchstzulässige Sendeleistung von 6 Watt zu erreichen.

Neueinsteiger, die noch nicht viel basteln wollen, sind sicher mit dem Vorschlag sich das Kombigerät FT 817, gebraucht oder neu, anzuschaffen, nicht schlecht beraten. Das bereits im 2m Teil beschriebene Kombigerät hat als einzigen kleinen Nachteil die etwas hohe Leistungsaufnahme. Da aber jetzt ein Gesamtgewicht von 9 kg erlaubt ist (siehe Ausschreibung), kann man einen etwas größeren Akku benutzen und man hat dann nur noch das kleine Handikap, dass der Rucksack etwas schwerer ist. Ein großer Vorteil aber ist, dass man für beide Wettbewerbsteile (2 m und 70 cm), die ja am selben Tag hintereinander stattfinden, nur ein Gerät benötigt. Beim Bandwechsel muss jetzt nur noch die Antenne gewechselt werden.
Ein weiteres Argument das für den FT-817 spricht, ist ein Dynamikkompressor-Bausatz den der "Funkamateur" für dieses Gerät anbietet. Es gibt eine externe Version und eine In-Mike-Version. Letztere wird in das Mikrofongehäuse eingebaut. Richtig eingestellt, kann damit die mittlere Sendeleistung um bis zu 6dB angehoben werden.

Für versierte Bastler gibt es noch eine interessante Variante mit einem 2m Gerät am 70 cm Teil des BBTs teilzunehmen. Das ist der Bau eines 2m/70cm Transverters. Ich glaube es war 1975 beim Sommer-BBT, als ich eine Sternstunde meiner Funkamateurzeit erlebte. Mit einem selbstgebauten 2m/70cm Transverter nach DC6AO mit Einfachmischung im Sende- und Empfangszweig machte ich mein erstes 70cm QSO. Die Leiterplatte war gekauft, die Lieferung hatte sich verzögert. Die Zeit war knapp und für den Einbau in ein vernünftiges Gehäuse reichte es nicht mehr. Also wurde die bestückte Platine auf die Schnelle in eine alte Zigarrenkiste meines Großvaters eingebaut. Mit einer selbstgebauten HB9CV gelang dann auf Anhieb mein erstes 70cm QSO, von der höchsten Stelle Stuttgarts, gleich mit einer HB9 Station. Entfernung gut 150 km. Die nachträglich gemessene Sendeleistung betrug 1 Watt.
Später habe ich dann erst begriffen, dass ich eigentlich eine "Funkersünde" begangen hatte, denn leider muss bei der Sendeumsetzung von 2m auf 70cm etwas mehr Aufwand betrieben werden. Beim Sendeumsetzer muss eine Doppelmischung erfolgen, da sonst die dritte harmonische von 144 MHz, die ins 70 cm Band fällt, nicht ausreichend unterdrückt werden kann. Wenn ich also damals z.B. auf 432,250 MHz gesendet habe, dann wurde auf der dreifachen Frequenz von 144,250, also auf 432,750 MHz, ebenfalls mit ca. 10mW gesendet, denn die dritte Harmonische des 2m Signals wird bei der Einfachmischung nur ca. 20 dB unterdrückt. Meine HB9CV Antenne hat durch ihren Gewinn von ca. 5 dB aus diesen 10 mW dann rund 32 mW Strahlungsleistung gemacht. Man kann daran sehen, dass wenn ich eine Antenne mit einem Gewinn von 10 dB oder mehr verwendet hätte, die unerwünschte Aussendung schon recht kritisch geworden wäre. Deshabl bei der 2m auf 70cm Umsetzung immer Doppelmischung mit einer Unterdrückung der dritten Harmonischen von größer 50dB verwenden. Bei den Transvertern für die anderen Bänder tritt dieser Nachteil zum Glück nicht auf, dort liegt die dritte Harmonische immer so weit außerhalb des Bands, dass sie von den Bandfiltern der Sende-Verstärker ausreichend unterdrückt wird.
Begeistert war ich dann, als in den UKW-Berichten Heft 3/1982 ein solcher Umsetzer mit Doppelmischung von Bernd Bartkowiak, DK1VA beschrieben wurde. Er ist die Grundlage aller meiner Transverterversionen. Leider habe ich nie eine Baubeschreibung gemacht, weil ich immer "neue Ideen" hatte und es andere Bauteile gab.

Als Denkanstoss hier mein neuester Transverter in meiner derzeit verwendeten Version.
  

Die Platine des Umsetzerteils passt mit der Sende-Empfangsumschaltung in ein 145 x 54 mm großes Weißblechgehäuse. Es sind hauptsächlich SMD-Bauteile verwendet. Nachgeschaltet ist eine PA mit dem Mitsubishi Modul M 57716, das es leider nicht mehr gibt.

Hier das Schaltbild und das Blockschaltbild des Transverters.

Die Hautbestandteile des Transverters sind:

     1.  Die Frequenzaufbereitung
     2.  Der Empfangsumsetzer
     3.  Der Sendeumsetzer


Der Kern der Aufbereitung ist ein 96 MHz Oszillator, von dem alle benötigten Frequenzen abgeleitet werden. Der Sendeteil braucht 96 MHz und 192 MHz (2 x 96 MHz), der Empfangsmischer 288 MHz (3 x 96 MHz). Im Empfangsteil ist ein SMD-Schottky-Diodenringmischer eingesetzt. In beiden Sendemischern werden Dual-Gate-Mos-FETs verwendet. Beide zu mischenden Frequenzen werden jeweils dem Gate 1 zugeführt. Als Selektionsmittel werden weitgehendst Neosid–Helix-Filter verwendet. Als Steuergerät benutze ich mein altes auf 300 mW geschaltetes IC-202. In Zukunft soll mein "Hohentwiel" eingesetzt werden. Das Trimmpoti am Eingang des Transverter-Sendeteils wird so eingestellt, dass am Senderausgang 6 Watt gemessen werden. Dann arbeitet der Transverter auch sauber linear.

Als Stromversorgung haben sich bei mir Blei-Gel Akkus am besten bewährt. Zur Zeit benutze ich einen von HOPPECKE, mit dem ich sehr zufrieden bin. Er hat eine Kapazität von 7Ah und wiegt 2600g. Er hat bis jetzt immer für den 2m und den 70cm Teil bequem gereicht (beide Stationen machen je 6 Watt Output). Ich erlaube mir, das Gewicht zu halbieren und berechne fr jedes Band 1300g und gehe davon aus, dass das erlaubt ist.

Über Wettbewerbsantennen ist schon viel geschrieben und philosophiert worden und es gibt zahlreiche, oft gegensätzliche Meinungen. Für uns BBTler sind die Möglichkeiten, vielleicht zum Glück, durch die Gewichtsbeschränkung und die schwierigen Transportmöglichkeiten, ziemlich eingeschränkt. Bei der Auswahl sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass alles leicht und schnell montierbar und demontierbar ist, auch im Winter mit klammen und gefühllosen Fingern. Hier ist ideenreicher Eigenbau besser als von der "Stange" gekauftes, das oft nur für eine einmalige feste Montage konstruiert ist.
Ein guter Kompromiß ist es, eine geeignete Antenne zu kaufen und diese für unsere Bedürfnisse mechanisch umzubauen, aber natürlich so, dass die elektrischen Eigenschaften nicht beeinflusst werden. Man muss sich entscheiden, ob man eine Antenne mit hohem Gewinn und schmaler Strahlungskeule oder eine breitere Keule mit kleinerem Gewinn bevorzugt. Die Entscheidung ist natürlich auch stark von der Lage abhängig. Hoch oben bei einer sehr guten Lage, ist sicher eine breitere Keule von Vorteil. Während bei einer weniger guten Lage eine Antenne mit höherem Gewinn zu bevorzugen ist. Man sollte aber beachten, dass dann die Antennenrichtung öfter geändert werden muss. Da wir aber von Hand drehen, geht das sehr schnell und ist kein großer Nachteil. Mit einer schmalen Strahlungskeule hat man außerdem den Vorteil, einen Störer besser ausblenden zu können.
Für den Antennen-Selbstbau gibt es in der Amateurfunk-Literatur viele Anregungen und Bauvorschläge. Gute Beispiele sind: Das Antennenbuch von Karl Rothammel, die Bücher von Karl Weiner DJ9HO "UHF-Unterlage" Starthilfe für den UKW-Amateur und die Artikel "Kurze Yagis in bewährter 28 Ohm Technik" von DK7ZB im "Funkamateur".
Meine Antenne für 70 cm ist eine 17 Element-Yagi vom Flohmarkt, die ich etwas umgebaut habe, zum Transport kann sie in drei Teile zerlegt werden. Um ein allzu starkes Durchhängen der leichtgebauten Antenne zu verhindern habe ich im Schwerpunkt, dort wo sie auch unten am Mast befestigt ist, ein etwa 50 cm langes dünnes Alu-Rohr angebracht, das senkrecht nach oben zeigt. Oben an diesem Rohr sind zwei Maurerschnüre befestigt, die zum Anfang und Ende des Vierkant-Boomrohrs gespannt sind. Dort sind kleine Alublechwinkel angeschraubt, in deren Bohrungen die Schnüre mittels im Baumarkt erhältlichen kleinen Karabinerhaken eingehakt werden.


Das ersetzt einen nicht ganz leichten und aufwendig zu montierenden Unterzug.

Der Mast ist derselbe wie bei 2m. Über den Abspannungen ist der Transverter am Mast befestigt. Ein kurzes RG 214 Kabel verbindet den Transverter-Ausgang mit der Antenne. Als ZF-Kabel zum 2m Gerät verwende ich ein beweglicheres RG 58 Kabel.


Standort:   JN48KO    530 m über NN   ODX:   DL8YE in JO31ML  =   345 km


Gewichtsaufstellung 70cm BBT-Station

IC 202 (Batteriefach und Stabantenne ausgebaut) 1.420 g
Mast + Abspannungen 700 g
Transverter 720 g
Mikrofon 190 g
Kabel RG 58 und RG 214 630 g
½ Akku (Gesamtgewicht 2600g - siehe Text) 1.300 g
17 Element-Yagi 1.100 g
Gesamtgewicht 6.060 g


Da sich der 2 m Teil ohne Pause an den 70 cm Teil anschliesst, sollte die 2 m Antenne fertig montiert bereit liegen, da sonst von der kurzen Contestzeit ein erheblicher Teil mit der Montage verloren geht.

AWDH auf 70 cm

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